Wie kommt man auf eine revolutionäre Idee in der Wissenschaft?

Ausschnitt aus dem Gespräch Friedrich Kittllers Flaschenpost an die Zukunft

Friedrich Kittler Mit 33 habe ich dann begriffen, dass ich nicht alle Zettelkästen zu Büchern machen kann, sondern dass ich es mir aussuchen muss. Das war ein furchtbarer Schreck.

Till Nikolaus von Heiseler sehr ernst Ja, das versteh’ ich. Ich habe letztens auf meinem Computer das Wort „Medien“ gesucht in dem von mir Geschriebenen und habe dann über 3535 Texte angeboten bekommen.

Friedrich Kittler Nur eigene Texte?

Till Nikolaus von Heiseler Ja. Und dann denke ich, was ist das für ein Dreck? Was soll das denn alles?

Friedrich Kittler Was soll das!?

Till Nikolaus von Heiseler Und dann wandelt sich auch vieles: der eigene Wissensstand.

Friedrich Kittler 99 % stimmt nicht. Furchtbar.

Till Nikolaus von Heiseler Das freut mich jetzt aber, dass es Ihnen genauso geht. Nicht aus Schadenfreude, sondern damit ich in meinen Texthaufen nicht ganz alleine sitze. – Und dann ist das alles nicht präzise und man muss dann alles noch mal umschreiben. Ich mache das ja immer so: Am Anfang steht die Idee; auch weil ich vieles gar nicht kenne, und dann versuche ich meine Idee mit dem aktuellen Stand des Wissens zu konfrontieren, was meistens sehr mühsam wird und oft auch sehr unerfreulich.

Friedrich Kittler Sehr unerfreulich!

Till Nikolaus von Heiseler Ach, das geht Ihnen auch so? Ich dachte, das ist nur das Schicksal der Autodidakten.

Friedrich Kittler Nein, nein. Das ist so bei allen. Bei allen, die was Neues machen.

Till Nikolaus von Heiseler Also, doch bei wenigen.

Friedrich Kittler Ja, bei sehr wenigen.

Kritiken

Info

“Einige Monate vor seinem Tod führte Friedrich Kittler (https://www.facebook.com/Friedrich.A.Kittler) ein längeres Gespräch mit dem Regisseur und Schriftsteller Till Nikolaus von Heiseler, das nun bei Kadmos erscheint. Eingangs sagte Heiseler: „Wir wollen uns Folgendes vorstellen: Alle Ihre Werke, alles, was Sie geschrieben und gesagt haben, ist verloren. […] Und nun versuchen wir in einem einzigen Gespräch zu retten, was zu retten ist. Eine Flaschenpost an die Zukunft.“ Dass es sich um die Bitte um sein wissenschaftliches Vermächtnis handelte, war Kittler natürlich klar. Und Heiseler war gut vorbereitet. Er entlockte dem schwer kranken Wissenschaftler lebendige Antworten. Kittler ging oft ins Private hinein, verriet, dass er einige Zeit an Selbstmord dachte, gegen Ende des Gesprächs musste er schluchzen.” (Freitag) .”Flaschenpost an die Zukunft das andere, das ein kurz vor seinem Tod aufgezeichnetes Gespräch zwischen Kittler und dem Autor und Künstler Till Nikolaus von Heiseler enthält.” (ZEIT)

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